Du könntest mehr tun.

Du könntest mehr tun.

Kennst du diese Stimme?

Du sitzt gemütlich mit einer Tasse Kaffee auf der Terrasse. Oder du hast gerade den Geschirrspüler ausgeräumt, warst laufen oder genießt einfach einen ruhigen Moment.

Alles ist gut.

Dann taucht plötzlich ein Gedanke auf:

„Du könntest eigentlich mehr tun.“

Harmlos.

Eine Sekunde später:

„Du solltest mehr tun.“

Noch eine Sekunde:

„Andere schaffen viel mehr als du.“

„Du nutzt dein Potenzial nicht.“

„Du verschwendest deine Zeit.“

Und schon ist aus einem friedlichen Nachmittag ein inneres Krisengespräch geworden.

Das Erstaunliche ist:
Vor dem ersten Gedanken war überhaupt kein Problem da.

Nicht der Gedanke verursacht unser Leiden.

Sondern dass wir ihm glauben.

Und das geschieht meist völlig automatisch.

Wir wurden darauf trainiert, unserem Verstand zu vertrauen. Er bewertet, vergleicht, plant, kritisiert und möchte uns verbessern. Das meint er oft gar nicht böse. Er glaubt tatsächlich, er würde uns beschützen oder erfolgreicher machen.

Doch Hand aufs Herz:

Hat dich deine innere Kritikerin/ Kritiker jemals dauerhaft glücklicher gemacht?

Oder liebevoller?

Oder freier?

Mich nicht.

Je mehr ich versuche, den Verstand mit noch mehr Gedanken zu beruhigen, desto mehr Diskussionen entstehen.

Es ist, als würdest du versuchen, einen Radiosender dadurch leiser zu machen, dass du einen zweiten Radio einschaltest.

Der Lärm wird nicht weniger.

Vielleicht liegt die Freiheit gar nicht darin, den Verstand endlich in den Griff zu bekommen.

Vielleicht genügt heute ein einziges kleines Innehalten.

Wenn der Gedanke auftaucht:

„Ich müsste mehr tun.“

dann frage dich liebevoll:

Ist das gerade wirklich wahr?

Oder ist es einfach ein Gedanke, der für einen Moment auftaucht?

Vielleicht entdeckst du dabei etwas viel Größeres.

Etwas, das schon da war, bevor dieser Gedanke erschien.

Du lebst.

Dein Herz schlägt.

Dein Atem kommt und geht.

Gedanken entstehen.

Gefühle verändern sich.

Der Körper bewegt sich.

Oder ruht.

Und all das geschieht ganz von selbst.

Das Leben erschafft sich in jedem Augenblick neu.

Nicht irgendwann.

Nicht erst, wenn du genug geleistet hast.

Nicht erst, wenn du ein besserer Mensch geworden bist.

Jetzt.

Vielleicht ist es nur ein Gedanke, der behauptet, du seist vom Leben getrennt.

Kann ein Gedanke das wirklich wahr machen?

Schau einmal selbst.

Warst du jemals außerhalb des Lebens?

Oder ist das Leben längst hier …

und lebt sich gerade als du?

Vielleicht entsteht aus dieser Erkenntnis etwas ganz Natürliches.

Manchmal Ruhe.

Manchmal Tatkraft.

Manchmal Kreativität.

Manchmal ein Spaziergang.

Manchmal ein Gespräch.

Manchmal einfach eine Glas Wasser in der Sonne.

Nicht, weil du etwas erreichen musst.

Sondern weil das Leben sich genau jetzt auf diese Weise ausdrückt.

Vielleicht ist das die größte Erleichterung überhaupt:

Du musst das Leben nicht finden.

Du musst dich nicht mit ihm verbinden.

Du warst nie getrennt.

Leben lebt.

Und gerade jetzt lebt es sich als du.

Du koenntest mehr tun