Neulich dachte ich:
Wenn ich das noch erledigt habe, dann kann ich mich entspannen.
Kennst du das?
Noch schnell die E-Mail.
Noch die Küche.
Noch einkaufen.
Noch eine Runde laufen.
Noch dieses eine Gespräch.
Und dann?
Dann bin ich endlich dort, wo ich eigentlich sein möchte.
Nur: Kaum ist eine Sache erledigt, wartet schon die nächste.
Vielleicht ist das Leben gar nicht so gemeint.
Vielleicht müssen wir gar nicht ständig irgendwohin.
Ich kenne das von mir: Manchmal merke ich erst mitten im Tun, dass ich schon wieder dabei bin, den jetzigen Moment zu überspringen.
Ich gehe spazieren und denke darüber nach, was ich später noch erledigen muss.
Ich sitze mit jemandem beim Kaffee und bin gedanklich schon beim nächsten Termin.
Ich liege abends im Bett und denke: Morgen muss ich unbedingt …
Das Leben ist da.
Und ich bin schon wieder unterwegs.
Dabei könnte ich ganz einfach ausprobieren:
Was ist jetzt gerade?
Meine Füße auf dem Boden.
Die Wärme der Tasse in meiner Hand.
Das Geräusch draußen.
Der Mensch, der mir gegenübersitzt.
Mein Atem.
Vielleicht auch ein bisschen Müdigkeit.
Nichts Besonderes.
Und genau das ist der Punkt.
Ich muss diesen Augenblick nicht erst verbessern, damit ich ihn leben kann.
Ich muss nicht gelassener werden.
Nicht mehr leisten.
Nicht alles verstanden haben.
Nicht endlich „bei mir angekommen“ sein.
Ich bin schon da.
Auch wenn ich ungeduldig bin.
Auch wenn ich mich gerade ärgere.
Auch wenn mein Kopf zehn Dinge gleichzeitig erledigen möchte.
Auch das darf gerade da sein.
Und vielleicht ist das eine ganz einfache Form von Sicherheit:
Ich muss nicht wissen, wie der nächste Moment wird.
Ich möchte nur diesen hier nicht verpassen.
Das Leben beginnt nicht später.
Es ist schon hier.
Wenn ich nicht ständig irgendwo ankommen muss, entsteht Raum.
Raum für diesen Augenblick.
Für das, was gerade ist.
Auch wenn es nicht meinen Vorstellungen entspricht.
Und vielleicht taucht genau hier eine interessante Frage auf:
Was wäre, wenn ich mich auch dann sicher fühlen könnte, wenn ich nicht weiß, was als Nächstes kommt?
Bisher haben wir oft versucht, Sicherheit dadurch zu bekommen, dass wir Dinge im Griff haben.
Vielleicht gibt es eine andere Möglichkeit.