Ich wollte gelassen sein. Die Töpfe hatten andere Pläne.

Ich habe großen Hunger und wenig Zeit zum Kochen.

Ich öffne den Küchenschrank.

Und da stehen sie.

Die Töpfe.

Nicht dort, wo sie hingehören.

Der kleine beim großen, der große beim kleinen, die Deckel kreuz und quer – ein kleines häusliches Chaos, das vermutlich niemand außer mir für bemerkenswert hält.

Ich schon.

Ich spüre, wie sich in mir etwas zusammenzieht.

Warum können diese Töpfe nicht einfach dort stehen, wo sie hingehören?

Und dann muss ich plötzlich lachen.

Denn da bin ich nun.

Mitten in meinem großen Wunsch nach Gelassenheit.

Vor einem Topfschrank.

Ich, die so vieles über das Loslassen weiß – und gerade fest daran festhalte, wo ein Topf zu stehen hat.

Wie wunderbar menschlich.

Und wie schnell es geht.

Aus einem Topf wird ein Ärgernis.
Aus dem Ärgernis eine Reaktion.
Aus der Reaktion ein Urteil über mich:

Ich sollte doch anders reagieren.

Gelassener.
Großzügiger.
Bewusster.

Und schon bin ich unterwegs zu jener Frau, die ich gerne wäre.

Während die andere – die, die gerade hier steht und Hunger hat und sich über falsch eingeräumte Töpfe ärgert – offenbar noch ein bisschen Nachhilfe braucht.

Aber vielleicht ist genau das der Moment, in dem wir uns selbst verlieren:

Wenn wir aus dem, was gerade ist, sofort etwas machen, das anders werden sollte.

Ich bin ärgerlich – also sollte ich gelassener sein.

Ich habe einen Fehler gemacht – also sollte ich es besser können.

Ich bin neidisch, ungeduldig, traurig, kleinlich – also muss ich noch ein Stück weiterkommen.

Und so entsteht ganz unbemerkt ein Leben zwischen der, die ich bin, und der, die ich sein sollte.

Vielleicht ist das gar nicht nötig.

Vielleicht ist der Ärger über die Töpfe einfach nur Ärger über die Töpfe.

Nicht mehr.

Kein Charakterfehler.
Kein spiritueller Rückschritt.
Keine Aufgabe zur Selbstoptimierung.

Nur ein kleiner Sturm in einem Küchenschrank.

Und vielleicht darf ich mittendrin denken:

Ach, Brigitte. Du schon wieder.

Nicht spöttisch.

Liebevoll.

Mit diesem kleinen Lachen, das entsteht, wenn wir uns selbst plötzlich beim Ernstnehmen unserer eigenen Geschichten erwischen.

Vielleicht liegt darin etwas sehr Kostbares:

Mich nicht erst mögen zu müssen, wenn ich gelassen, großzügig und vollkommen bei mir bin.

Mich auch dann nicht verlassen, wenn ich gerade anders bin.

Vielleicht ist Freiheit nicht, irgendwann nichts mehr falsch zu finden.

Vielleicht ist Freiheit, dass ich mich dabei nicht mehr falsch finde.

Die Töpfe dürfen falsch stehen.

Ich darf mich darüber ärgern.

Und ich darf darüber lachen.

Vielleicht sogar über beides gleichzeitig.

Denn ich muss nicht erst ein anderer Mensch werden, damit dieser Augenblick in Ordnung ist.

Ich bin schon hier.

Mit meinem Hunger.
Mit meinem Ärger.
Mit meinen Töpfen.

Und mit einem kleinen Lachen über mich selbst.

Vielleicht ist das Gelassenheit, die viel weniger nach Gelassenheit aussieht, als ich dachte.

Ich wollte gelassen sein