Was ist eigentlich mein Bestes?

„Ich gebe mein Bestes.“

Ein Satz, den wir früh lernen.
Ein Satz, der gut klingt. Nach Verantwortung. Nach Anstrengung. Nach einem Menschen, der sich bemüht.

Aber was genau ist eigentlich mein Bestes?

Das, was ich im Nachhinein hätte besser machen können?

Das, was jemand anderes besser gemacht hätte?

Das, was ich mir vorgenommen hatte?

Oder das, was in diesem Moment überhaupt möglich war?

Wir sind erstaunlich streng mit unserem früheren Ich.

Mit dem Wissen von heute schauen wir zurück auf das Gestern
und sehen plötzlich all das, was wir damals nicht sehen konnten.

Was gefehlt hat.
Was besser gewesen wäre.
Was wir hätten sagen, tun oder lassen können.

Und nennen das dann:

„Ich hätte mein Bestes geben können.“

Vielleicht liegt genau hier der Denkfehler.

Vielleicht gibt es dieses „Beste“ gar nicht irgendwo da oben,
als Maßstab, den wir erreichen müssen.

Vielleicht ist mein Bestes immer dort,
wo ich gerade stehe.

Mit diesem Wissen.
Mit dieser Kraft.
Mit diesem Blick auf die Welt.

Nicht vollkommen.
Nicht fehlerfrei.
Nicht unbedingt so, wie ich es mir gewünscht hätte.

Aber genau das, was in diesem Moment möglich war.

Und wenn das für mich gilt,
dann gilt es auch für den Menschen neben mir.

Für meinen Partner.
Für meine Kinder.
Für den Menschen, der mich verletzt hat.

Und vielleicht sogar für meine Eltern.

Auch sie hatten nur ihr Wissen.
Ihre Kraft.
Ihre Geschichte.
Ihren Blick auf die Welt.

Auch sie haben gegeben, was ihnen in diesem Moment möglich war.

Vielleicht wird es dann stiller in uns.

Die Vergangenheit verliert ihren Stachel.

Was war, darf gewesen sein.

Ich darf daraus lernen.
Ich darf heute anders wählen.
Ich darf mich verändern.

Aber ich muss mich nicht mehr rückwirkend zu dem Menschen machen,
der ich damals noch nicht sein konnte.

Vielleicht ist das Leben gar keine Prüfung darüber,
ob wir unser Bestes gegeben haben.

Vielleicht ist es viel einfacher:

Da sein.
Sehen, was jetzt da ist.
Tun, was jetzt möglich ist.

Und dann—

den nächsten Moment kommen lassen.

Mein Bestes ist kein Maßstab.

Es ist ein Moment.

Was ist eigentlich mein Bestes