Es gibt diese Momente.
Etwas ist passiert. Nicht so, wie ich es wollte. Ich habe etwas gesagt, getan oder nicht getan.
Und schon ist sie da, diese Stimme:
Das hättest du anders machen müssen.
Wie konntest du nur?
Das weißt du doch besser!
Warum passiert dir das immer wieder?
Und aus einem kleinen Moment wird schnell ein Urteil über mich:
Was stimmt eigentlich nicht mit dir?
Ich kenne diese Stimme.
Und lange dachte ich, sie hilft mir.
Wenn ich nur streng genug mit mir bin, werde ich es beim nächsten Mal besser machen.
Heute sehe ich das anders.
Denn wenn ich mich innerlich fertig mache, werde ich nicht klarer. Nicht mutiger. Nicht freier.
Ich bin einfach nur beschäftigt – mit dem, was war.
Die Vergangenheit ist vorbei
So banal.
Und doch so wesentlich.
Die Vergangenheit ist vorbei.
Auch wenn sie erst zehn Sekunden zurückliegt.
Ich kann sie analysieren, hundertmal im Kopf abspielen und mir ausmalen, wie es besser hätte laufen können.
Aber ich kann nicht zurück.
Byron Katie sagt:
„Weißt du, was ich an der Vergangenheit liebe? Sie ist vorbei.“
Ich liebe diesen Satz.
Denn wie oft sitze ich gedanklich noch dort, während mein Leben längst hier stattfindet?
Vielleicht ist die wichtigere Frage deshalb nicht:
„Was hätte ich anders machen sollen?“
Sondern:
„Was ist jetzt?“
Und was, wenn es gar keine Fehler gibt?
Natürlich gibt es Dinge, die ich heute anders machen würde.
Ich kann mich entschuldigen. Etwas korrigieren. Etwas lernen.
Aber muss ich mich dafür verurteilen?
Brauche ich einen inneren Kritiker, um zu lernen?
Ich glaube inzwischen: nein.
Vielleicht gibt es Erfahrungen.
Versuche.
Entscheidungen.
Manche fühlen sich gut an, andere nicht.
Und vielleicht geben wir tatsächlich immer unser Bestes – nicht das Beste, das wir im Nachhinein hätten geben können, sondern das Beste, das uns in diesem Moment möglich war.
Heute weiß ich vielleicht mehr.
Heute würde ich vielleicht anders handeln.
Das bedeutet nicht, dass ich damals schlecht war.
Heute bin ich heute.
Und damals war ich damals.
Zurück zu mir
Wenn ich merke, dass ich wieder im „Hätte ich doch …“ festhänge, versuche ich nicht, die Stimme wegzumachen.
Ich bemerke sie.
Und frage:
Bin ich gerade bei mir – oder noch in der Vergangenheit?
Dann komme ich zurück.
Zum Atem.
Zum Körper.
Zu diesem Augenblick.
Ich bin hier.
Ich lebe.
Der Atem fließt.
Das Leben ist da.
Und plötzlich wird aus dem Kritiker eine Begleiterin.
Aus Urteil wird Neugier.
Aus Härte wird Freundlichkeit.
Und aus:
„Was stimmt nicht mit mir?“
wird:
„Was ist jetzt?“
Vielleicht ist genau das Freiheit.
Nicht alles richtig zu machen.
Nicht den inneren Kritiker für immer zum Schweigen zu bringen.
Sondern ihm nicht mehr alles zu glauben.
Die Vergangenheit ist vorbei.
Ich kann sie nicht mehr verändern.
Aber vielleicht muss ich auch nicht ständig gegen das kämpfen, was gerade ist.
Denn manchmal machen wir genau das: Etwas geschieht – und sofort denken wir: Das darf jetzt nicht sein.
Und damit sind wir schon mitten im nächsten Thema: Wie wäre es, wenn das Leben nicht gegen mich geschieht?